Zündende Ideen, aber Rechtschreibschwäche?

Wie so viele andere Profitexter ärgerte ich mich oft über Texte, die vor Fehlern nur so strotzen. Damit meine ich nicht die typischen Flüchtigkeitsfehler, wie sie auch mir manchmal unterlaufen, sondern Rechtschreib- und Grammatikfehler, die sich durch den gesamten Text ziehen. Dieses Problem betrifft auch Autoren, die bei Verlagen schon mit dem Anschreiben oder dem Exposé scheitern.

Warum dieser Artikel?

Es gibt Texte, die trotz gravierender Fehler wirklich gute Ideen beinhalten. Seitdem ich das bemerkt habe, ärgere ich mich nicht mehr so über diese Texte. Vielmehr habe ich erkannt, dass der Autor ein echtes Problem hat, das sein Fortkommen enorm behindert.

Neben meinem Beruf als Werbetexterin bin ich ehrenamtliche Lektorin bei der Romansuche.de und seit Kurzem auch die Inhaberin dieses Projekts. Hier sehe ich dieses Phänomen sehr oft. Das Thema, die Ideen sind sehr gut, die Umsetzung ist schlecht. In solchen Fällen nehme ich Manuskripte zwar nicht an, lehne sie aber auch nicht sofort ab, sondern bitte den Autoren, die Fehler zu korrigieren und sich im Zweifel einen Lektor an die Seite zu holen. So wissen die Autoren gleich, dass es weder am Thema noch an den Ideen hapert, sondern lediglich ein Rechtschreib- und Grammatikproblem existiert. Bisher haben sich die Autoren sehr über die Hinweise gefreut, nicht einer hat seine Manuskripteinreichung zurückgezogen.

Bei Textern sieht das anders aus. Deren Texte kann ich entweder im Internet lesen oder ich bekomme sie von Kunden, die ganz unglücklich sind, dass die Texte nichts bewirkt haben. In diesem Fall habe ich keine Möglichkeit, mit dem Texter Kontakt aufzunehmen, denn, seien wir mal ehrlich: Welcher Texter möchte gern von einem anderen Texter auf etwaige Fehler hingewiesen werden?

Mit diesem Artikel möchte ich zeigen, dass Sie auch mit einer Rechtschreibschwäche erfolgreich sein können – wenn Sie bereit sind, zu lernen, Hilfe in Anspruch zu nehmen und wirklich zündende Ideen haben!

Die verschiedenen Texter- und Autorentypen mit Rechtschreibproblemen

Die „Ich-mach-das-jetzt-auch-Mal“ Texter und Autoren

Wie eingangs bereits erwähnt, ist nicht jeder Texter oder Autor mit einem Rechtschreibproblem automatisch ungeeignet für das Verfassen von Texten jeglicher Art. Das Wichtigste beim Texten, Werbetexten und Verfassen von literarischen Werken sind immer noch die Ideen.

Leider gibt es zahlreiche Texter und Autoren, denen sämtliche Voraussetzungen für diesen Beruf fehlen. Wirklich ärgerlich sind beispielsweise die Texter, die sich auf öffentliche Ausschreibungen ebenso öffentlich mit einem Fünfzeiler bewerben, der eine Fehlerquote von 30%-50% aufweist und Referenzen bewirbt, die ebenso nichtssagend wie fehlerhaft sind. In diesen Fällen rate ich ganz dringend zu einem anderen Beruf, auch wenn sich immer wieder Auftraggeber finden, die sich über den Wortpreis von 0,5 – 1 Cent freuen. Leider vergessen sie, dass der Text wirklich gar nichts wert ist!

Das Gleiche gilt für Autoren, die eine sehr hohe Fehlerquote haben und darüber hinaus jegliche Phantasie vermissen lassen. Dazu gehören besonders die Autoren, die ein Werk verfassen, das auf der aktuellen Welle mitschwimmen soll.

Beispiel: Der Erfolg von Harry Potter hat dafür gesorgt, dass unzählige Autoren ähnliche Werke verfasst und eingereicht haben. Dabei zeigt ein solches Vorgehen einfach nur die eigene, völlige Ideenlosigkeit. Es ist zwar richtig, dass man Erfolgsrezepte ruhig kopieren und verbessern soll, wenn man selbst erfolgreich sein will, aber diese Regel lässt sich hier nicht anwenden.

Besser: Etwas ganz Neues wagen! Aber hierfür braucht man eben auch Ideen.

 Die „Es artet in Arbeit aus“-Texter und Autoren

Diese Sorte findet man deutlich öfter bei Textern als bei Autoren. Zu den Autoren gehören zum Beispiel die Stammautoren eines Verlags, einer Kurzgeschichten-Serie oder jene, die erotische Werke am Fließband produzieren.

Bei den Textern sind es eher diejenigen, die Aufträge für 0,5 Cent – 2 Cent annehmen und mit der Arbeit nicht mehr hinterherkommen. Allein für 400,- € monatlich müssen diese Texter ca. 20.000 – 80.000 Wörter schreiben – für viele ein schier unlösbares Problem.

Leider führt dies auch zu einer Geschäftspraktik, der ich sehr ungehalten gegenüberstehe.

Beispiel:

Eine Texterin nimmt unglaublich viele Aufträge im Monat an und berechnet den Auftraggebern dafür 2-3 Cent pro Wort. Natürlich ist sie nicht dazu imstande, diese Auftragsflut allein zu bewältigen, also sucht sie über entsprechende Plattformen Texter, die ihr einen Teil der Aufträge bei einer Bezahlung zwischen 0,5 und 1,5 Cent abnehmen. Leider wird sie immer fündig. Das bedeutet aber für die Auftraggeber: Texte von sehr schlechter Qualität mit hoher Fehlerquote und unterschiedlichsten Schreibstilen.

Sie fragen sich, warum solche Texter damit durchkommen? Ganz einfach! Solange es Auftraggeber gibt, die an Qualität sparen und denen es ausschließlich auf Keywords, nicht aber auf Lesbarkeit ankommt, solange werden solche Texter gebraucht. Die hohe Fehlerquote entspringt meist wirklich der totalen Überarbeitung! Wenn diese Texter also wirklich Ideen haben und etwas können, sollten sie ganz schnell einen Neuanfang machen und ordentliche Qualität zu ordentlichen Preisen bieten!

Ein weiteres Problem: Einige Kunden haben selbst eine Rechtschreibschwäche. Sie bemerken es nicht einmal, wenn der Texter Fehler einbaut. Meistens werden sie erst von außerhalb darauf hingewiesen, oft genug erst dann, wenn sie längst Verlust gemacht haben.

Dass man auf dieser Schiene nicht langfristig erfolgreich fährt, ist einzusehen.

Die „Ich habe eine Rechtschreibschwäche, aber tolle Ideen“ – Texter und Autoren

Diese Texter und Autoren haben es nicht leicht, obwohl sie die wichtigste Voraussetzung für Erfolg erfüllen: Ideenreichtum!

Die Gründe für eine Rechtschreibschwäche sind so unterschiedlich wie wir Menschen.  Legasthenie, schlechte Anleitung durch unerfahrene oder zu strenge Lehrer (Angstreaktion), Lustlosigkeit – es gibt viele Gründe dafür, warum ein Mensch fehlerhaft schreibt.

Es gibt aber auch Lösungen! Zahlreiche Institute und Dienstleister bieten kompetente Hilfe. Eine entsprechende Therapie kann Wunder wirken! Bitte achten Sie jedoch darauf, dass die von Ihnen gewählte Therapie mindestens folgende Bausteine beinhaltet:

1. Steigerung der Lernmotivation
2. Aufbau des Selbstvertrauens
3. Erarbeitung einer individuellen Lernstrategie
4. Stressabbau
5. Konzentrationsübungen
6. Symptomtraining

Ist ursprünglich eine Schulangst verantwortlich für Ihr Problem, rate ich dazu, eine psychologische Intervention ins Auge zu fassen. Damit lassen sich alte Blockaden auflösen und sie steigert den Erfolg.

Wichtig: Solange Sie zwar gute Ideen haben, aber in Rechtschreibung und Grammatik gravierende Fehler machen, lassen Sie bitte jeden Text, jedes Manuskript von einem erfahrenen Lektoren prüfen. Gerade Texter, die für Auftraggeber schreiben, sollten sich darüber im Klaren sein, dass für Ihre Kunden sehr viel davon abhängt!

Sie scheuen die Kosten? Denken Sie um! Erkundigen Sie sich, wie viel Ihnen ein Lektor, dem Sie vertrauen können, pro Seite berechnet. Erstellen Sie pro Monat sehr viele Texte, fragen Sie nach einem Mengenrabatt. Angenommen, Sie verlangen bisher 1 Cent pro Wort, also etwa 5 Euro pro Seite (was grundsätzlich viel zu wenig ist!!!). Der Lektor möchte 1,50 Euro pro Seite für seine Korrekturdienst-leistung. Sie haben also ein Plus von 3,50 Euro. Damit können Sie leben, denn Ihre Qualität steigert sich und damit auch der Preis, den Sie erzielen können. Bitte beachten Sie, dass es sich hierbei nur um ein Beispiel handelt. 1 Cent pro Wort ist definitiv nie eine gute Idee!

Eine weitere Möglichkeit besteht für Sie darin, mündliche Präsentationen durchzuführen. Angenommen, Sie gehören zu den Textern, denen für nahezu alle Produkte und Marken sofort ein Slogan einfällt. Nutzen Sie dieses Potenzial und bieten Sie Ihre Leistung ausschließlich mündlich an.

Beispiel: Auf Ihrer Webseite werben Sie damit, dass jeder 3. Slogan ein Treffer ist. Sie haben eine Startseite, die von einem Lektor abgesegnet wurde und eine Referenzenliste der von Ihnen erdachten Slogans. (Impressum, AGB sind Standard). Nun bauen Sie lediglich einen Terminkalender ein, über den Ihre Auftraggeber ein Brainstorming mit Ihnen buchen können. Das Brainstorming könnte folgende Leistungen umfassen:

  • Brainstorming pro Stunde 150,- €
  • mindestens 3 Slogans/Stunde
  • zusätzliche Beratung
  • Slogan gefällt? z.B. 1.000,- € fällig

Der Ablauf wäre folgendermaßen. Ihr Auftraggeber vereinbart einen Termin für ein einstündiges Brainstorming. Er stellt auf Ihren Wunsch einen Mitarbeiter, der Ihre Ideen an ein Whiteboard o.ä. schreibt (damit Sie sich konzentrieren können). Vor dem Brainstorming erhalten Sie die Unterlagen zu dem Produkt, der Dienstleistung oder Marke, für die der Slogan gedacht ist. Das Brainstorming selbst beginnt idealerweise mit einem kurzen Vortrag von Ihnen bezüglich der zuvor erhaltenden Unterlagen (zu kommunizierende Infos etc.). Sobald das Brainstorming startet, werfen Sie Ihre Ideen in den Raum, die sofort notiert werden. Sicher haben sie sich bereits vor dem Meeting einige Slogans einfallen lassen. Wird einer der Slogans akzeptiert, zahlt der Auftraggeber den vereinbarten Preis dafür.

Sie können das Brainstorming zusätzlich abrechnen, ich schlage jedoch vor, dass es im Falle eines Slogan-Kaufs kostenlos ist. Nehmen mehrere Mitarbeiter am Meeting teil und inspirieren Sie einen dieser Mitarbeiter mit Ihren Ideen so, dass dieser den gewünschten Slogan findet, sollten Sie nur noch 50% des Auftragswertes berechnen und vorschlagen, dass der Mitarbeiter die andere Hälfte bekommt.

Sie sehen, es gibt auch Möglichkeiten für ideenreiche Menschen mit Rechtschreibproblemen. Mein Beispiel ist natürlich beliebig variierbar. Aber es könnte für Sie zu einem Erfolgsmodell werden, wenn Sie sich nicht scheuen, vor Publikum zu reden.

Fazit

Ich bin der Meinung, wir sollten immer unser Bestes tun. Probleme sind dazu da, überwunden zu werden. Ob mit Hilfe von Therapien oder mit Hilfe von Experten, die das haben, was uns fehlt, spielt keine Rolle. Niemals sollte der Profit in unserer Branche an erster Stelle stehen! Sie müssen einen hohen Anspruch an sich selbst haben und dafür sorgen, dass Sie ihn auch erfüllen.

Wenn Sie wissen, dass Rechtschreib- und Grammatikfehler bei Ihnen keine Seltenheit sind, tun Sie etwas dagegen! Bis Sie das Problem gelöst haben, ist es unumgänglich, einen Lektor hinzuzuziehen.

Für Texter gilt:

Es ist unfair und schlicht geschäftsschädigend, fehlerhafte Texte zu verkaufen. Damit machen Sie Ihren Erfolg selbst zunichte. Sie können unmöglich hohe Preise verlangen, wenn Sie keine Qualität liefern. Bitte investieren Sie in einen Lektor, um den Ansprüchen an den Texterberuf wirklich zu genügen. Seien Sie ruhig auch kreativ (siehe Brainstorming-Beispiel). Machen Sie aus Ihren Schwächen sinnvolle Stärken. Nutzen Sie sämtliche, Ihnen zur Verfügung stehende Möglichkeiten, um an Ihrer Rechtschreibung zu arbeiten. Es lohnt sich!

Für Autoren gilt:

Ihr Manuskript kann noch so fesselnde Inhalte haben, zu viele Rechtschreib- und Grammatikfehler schon im Anschreiben bzw. im Exposé verhindern Ihren Erfolg als Autor ganz erheblich. Bitte legen Sie Ihr vollständiges Manuskript, Ihr Anschreiben an Verlage und Ihr Exposé in die Hände eines erfahrenen Lektoren. Erst dann macht die Einreichung tatsächlich Sinn.

Wichtig für Alle:

Lassen Sie sich niemals entmutigen! Wenn die Leidenschaft eines Texters oder Autors in Ihnen brennt, löschen Sie das Feuer nicht, nur weil Sie Fehler machen! Verstärken Sie das Feuer durch Lernen, Üben und Phantasie.

So, der Artikel hat den Schlusspunkt erreicht. Nun stellt sich die Frage: Hat die Autorin Fehler in den Text eingebaut? Wenn ja, wer findet sie?

Viel Spaß beim Suchen 🙂

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