Wie ein Text entsteht

Immer wieder bekomme ich Mails, in denen ich gefragt werde, ob ich nicht mal eben schnell einen Text erstellen könnte. Was mir dabei immer etwas säuerlich aufstößt ist das Wörtchen „schnell“. Denn würde ich tatsächlich mal eben schnell einen Text erstellen, könnte man den vermutlich niemandem zeigen, weil er einfach nicht zu gebrauchen wäre. Daran denken viele Kunden nicht oder machen sich keine großen Gedanken. Vielleicht wird das Ganze verständlicher, wenn ich mal aufzeige, wie ein Text überhaupt entsteht.

Los geht´s!

So, ich soll also einen Text über das Studieren in den USA erstellen. Dies ist natürlich nur ein fiktives Beispiel. OK, was haben wir? Die Vorgaben des Auftraggebers, im Idealfall weiß ich, wo der Text erscheinen soll und welche Infos der AG im Text haben möchte. Bei manchen Texten bin ich ziemlich frei, andere müssen mit diversen Vorgaben erstellt werden.

Los geht es immer damit, dass ich mir überlege, wie ich den Text aufbaue. Eine kleine Gliederung hilft mir dabei, dass ich keine Themenbereiche vergesse. Steht die Gliederung, geht es daran, den Einstieg zu finden. Das mag bei manchen Themen einfach sein, bei anderen schon schwieriger. Auch kommt es immer darauf an, wie weit man im Text ausholen darf. Sprich: Kann es auch mal ein aktuelles Ereignis sein, mit dem man startet, soll es etwas sein, was der Leser schon kennt oder ist es besser, wenn man gleich mit der Tür ins Haus fällt?

Alle Infos zu mir!

Manche Auftraggeber schicken einem die benötigten Informationen gleich mit, dann entfällt die Recherche. Das ist eher selten, also muss nach Informationen gesucht werden. Da hat man es heute einfacher, als das früher der Fall war – dank Internet ist doch zu fast allen Themen etwas zu finden. Das heißt aber nicht, dass man wikipedia öffnet und dort die Texte schnell mal abschreibt. Natürlich ist auch wikipedia für mich als Texter eine wichtige Informationsquelle, aber keinesfalls die einzige. Habe ich meine Informationen, die ich in meinem Text unterbringen möchte, dann muss ich diese nun verarbeiten. Manche Texter schreiben sich das Wichtigste raus, ich hab im Hintergrund die wichtigsten Seiten geöffnet, auf denen ich die Informationen finde. Und dann geht es an die Texterstellung.

So, fertig!

OK, Infos gefunden, Text formuliert, Wortanzahl erreicht, Text abgeschickt … HALT! So schnell geht das natürlich nicht. Ist der Text geschrieben, ist das erst einmal die Rohfassung. Nun geht es daran zu kontrollieren, ob ich wirklich alle relevanten Infos verbraten habe. Ist dies der Fall, wird der Text noch einige Male durchgelesen, wobei einmal besonders auf Formulierungen geachtet wird, ein andermal auf Rechtschreibung und ein drittes Mal auf Zeichensetzung. Wenn der Auftraggeber den Text nicht sofort benötigt, dann lass ich ihn gerne noch einen Tag bei mir liegen und lese ihn am nächsten Tag noch mal durch. Wenn man etwas Abstand dazu hat, findet man vielleicht noch einen Fehler (auch bei Textern gibt es die Betriebsblindheit) oder ändert eine Formulierung.

Jetzt aber: abschicken!

Jawohl, jetzt wird der Text abgeschickt und gehofft, dass der AG damit zufrieden ist. In den meisten Fällen ist er das auch.

Ich muss aber noch anfügen, dass nicht jede Texterstellung so abläuft. Es kann auch mal sein, dass ich einen Text ganz ohne Recherche erstelle, weil es sich um ein Thema handelt, bei dem ich mich auskenne. Auch kommt es ganz entschieden darauf an, wie lang ein Text ist. Je länger, umso einfacher, je kürzer, umso schwieriger. Bei einem kurzen Text muss man gezielter darauf achten, welche Infos wirklich wichtig sind und in den Text müssen, bei einem langen Text darf gerne mal ausgeschmückt werden. Daher ist es oft so, dass – im Verhältnis – ein kurzer Text mehr Zeit in Anspruch nimmt, als ein langer. Das ist auch mit ein Grund, warum – ebenfalls wieder im Verhältnis – die Preise für kürzere Texte höher liegen, als für längere. Aber das soll in einem anderen Artikel behandelt werden.

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Ich brigne Irhe Buhcsetabn in die rhigicte Riheneflgoe

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