Weihnachten in der Hölle… und noch einmal alles auf Anfang

Ich mag Weihnachten. Ich mag Weihnachten wirklich. Okay, oder vielleicht doch eher den Gedanken an Weihnachten, wie es sein könnte, wenn nicht… ach lesen Sie selbst!

Ich verbringe Heiligabend gerne mit der Familie. Wir gehören eher zu denjenigen, für die es an diesem besonderen Tag ein opulentes Mahl sein darf, eines von der Sorte, die man sich im Alltag nicht gönnt. Ich plane eine Hochzeitssuppe, einen Rinderbraten mit geschmorten roten Zwiebeln, Karottengemüse und Kartoffelknödeln sowie Mousse au Chocolat und Zimtmousse als Dessert. Ich freue mich schon darauf. Und schließlich kommen ja Schwiegermutter und Schwiegervater zum Essen. Aber wie das so ist: Das Leben ist das, was passiert, während ich gerade andere Dinge plane.

Heiligabend… oder: der ganz normale WAHNSINN

6.31 Uhr: „Maaammaaaaa!!! Maaaammmaaaaaa, I muas biesln!!!“
Danke Babyfon, ich bin jetzt wach. Dann stehe ich eben auf, Schlaf ist sowieso überbewertet.

6.55 Uhr: Bin jetzt angezogen und das zweite Kind ist auch schon aus dem Bett. Erst einmal Frühstück machen und die To-Do-Liste für heute checken. Als erstes steht auf dem Plan: Mousse au Chocolat zubereiten.

7.30 Uhr: Alle sind startklar, also geht es los. Die Schokomasse schwitzt im Wasserbad und ich schlage Sahne. Und schlage. Und schlage. Sahne, die auf wundersame Weise nicht steif werden will. Haben Sie es schon mal geschafft, dass Ihnen die Sahne nicht gelungen ist? Mir noch nie zuvor. Heute schon – natürlich an Heiligabend.

7.37 Uhr: Ich schlage neue Sahne. Dieses Mal klappt es. Ich stelle die Sahne kalt und widme mich der Schokolade. Die inzwischen angebrannt ist.

7.39 Uhr: Ich stelle fest, dass es das einzige Päckchen Schokolade war. Hm, den Cognac, der eigentlich für das Schokomousse gedacht war, brauche ich ja eigentlich nicht mehr. Ich gieße mir einen ein.

7.42 Uhr: Ich sammle mich kurz, dann eben anders: Wir haben ja noch die Zimtmousse. Da kann eigentlich nichts schief gehen. Die Zutaten sind schnell zusammengerührt und damit es auch wirklich gelingt, verwende ich gleich die Pulver-Gelatine. „Fix“ steht auf der Packung – ja, das hört sich gut an.

7.48 Uhr: Die Mousse steht im Kühlschrank. Erstes Etappenziel für heute geschafft und nur ein ganz kleiner Aussetzer dabei.

8.00 Uhr: Ich beginne mit der akribischen Reinigung der Wohnung. Wie es bei selbstständigen Workaholics ohne Putzhilfe, dafür aber mit zwei Kleinkindern halt gerne mal so ist: Ich habe mir die schönsten Aufgaben bis zu den letzten Stunden aufgehoben.

11.07 Uhr: Geschafft – ich habe immerhin schon mal das gröbste Chaos in der Küche und im Wohnzimmer beseitigt. Tief in meinem Innersten weiß ich, dass unter der Eckbank in der Küche noch immer die Nudeln mit Tomatensauce am Boden kleben, die ich gestern nach dem Abendessen der Kinder vergessen habe zu entfernen (ganz gemäß dem Motto „aus den Augen, aus dem Sinn…“).

11.25 Uhr: Ich finde, ich habe mir jetzt eine Pause verdient. Ah, da steht ja der Rotwein für die Bratensauce. Ein kleines Gläschen kann nicht schaden, um den Tag besser zu überstehen.

11.45 Uhr: Upps, schon so spät. Was es heute zum Mittagessen gibt? Hm, gute Frage. Reicht das nicht, wenn wir heute Abend was essen? Na gut, schnell ein paar Nudeln gekocht. Die Kinder streiten – schon wieder – weil die Kleine den blauen Teller aus dem Schrank genommen hat, der neuerdings durch eine Art kosmisches Grundgesetz für die Große reserviert zu sein scheint. Ich nehme einen groooßen Schluck – und fühle mich gleich ein Stück besser.

12.12 Uhr: Endlich, das Mittagessen neigt sich dem Ende zu. Nur noch ein paar Minuten und ich habe zwei Stunden Pause von meinen zwei kleinen Gören.

12.19 Uhr: Die Kleine ist im Bett und scheint schon zu schlafen.

12.21 Uhr: Tobsuchtsanfall der Großen. Okay, sie schläft dann jetzt wohl nicht.

12.23 Uhr: Die Kleine ist wieder wach. So ein Tobsuchtsanfall kann aber auch schon mal die Lautstärke eines Hurrikans entwickeln.

12.24 Uhr: Bilanz der ersten Tageshälfte: eine halb versaute Nachspeise, zwei grantige Kinder und ein ausgefallener Mittagsschlaf. Fehlen noch: Ein Baum, das Einpacken der restlichen Geschenke, eine Hauptspeise und eine Vorspeise. Die Schwiegereltern kommen gegen 17.00 Uhr, das sollte doch machbar sein?

12.27 Uhr: Delegieren ist die Kunst. Die Kinder werden bei der Oma ein Stockwerk tiefer geparkt und der Mann kümmert sich um den Baum.

12.30 Uhr: Okay, ich beschäftige mich dann mal mit den Suppeneinlagen. Ich nehme noch einen Schluck vom Wein und überlege, ob es eigentlich überhaupt unbedingt drei Einlagen sein müssen. Dann wird es eben keine Hochzeitssuppe, sondern nur Flädlesuppe. Gleich wieder ganz viel Zeit gespart.

13.05 Uhr: Die Pfannkuchen sind erledigt – die gelingen selbst an einem Tag wie diesem. Jetzt aber los: Der Baum steht, ab zum Dekorieren, bevor die Mädchen wieder auftauchen. Dieses Jahr wird alles in Rot dekoriert, mit Strohsternen und kleinen Figürchen – ganz klassisch.

13.45 Uhr: Ich bin fertig mit dem Dekorieren – und stelle fest, dass die rote Christbaumspitze zerbrochen ist. Da hat ihr der Umzug wohl doch nicht so gut getan. Ein weiterer Schluck Rotwein (passt ja schließlich zum Baum!) bringt des Rätsels Lösung:  Wir nehmen einfach die Blaue. Und damit das Ganze dann auch ein „stimmiges Gesamtbild“ ergibt, hängen wir einfach ein paar blaue Kugeln zwischenrein. Perfekt!

14.13 Uhr: Jetzt aber schnell, noch eben die letzten Geschenke einpacken, die (puuuh!) heute Morgen noch mit der Post geliefert wurden. Muss ich erwähnen, dass plötzlich das Geschenkpapier mit Weihnachtsmotiv arg knapp geworden zu sein scheint? Einen Schönheitspreis gewinnen die Geschenke heute wohl nicht, aber zumindest den Kindern wird das hoffentlich schon egal sein.

14.46 Uhr: Die Kinder kommen wieder hoch. Und gerade noch rechtzeitig, bevor sie die „Bescherung“ sehen, können wir eben noch die Türe versperren. Das ging gerade noch einmal gut. Man darf ja auch einmal Glück haben.

14.50 Uhr: Zurück in der Küche. Es wird Zeit für den Braten, wenn der noch rechtzeitig fertig werden soll. Ab in den Ofen damit und zumindest das klappt zur Abwechslung mal völlig reibungslos.

15.15 Uhr: Ach, eigentlich habe ich jetzt jede Menge Zeit übrig. Ich nehme erst einmal ein Bad, denn der Weihnachtsstress hat mich schließlich fest im Griff.

16.05 Uhr: Upps, in der Wanne eingeschlafen, jetzt muss ich aber Gas geben.

16.10 Uhr: Wieder in der Küche, ich mach mich dann mal an die Tischdekoration. Teelichter, Platzsets, Geschirr – alles ist schön drapiert. Ich bin zufrieden. Jetzt können die Gäste kommen.

17.02 Uhr: Es klingelt an der Tür und ich bin sofort hellwach. Der Moment ist gekommen und die Gäste auch. Nach der Begrüßung und den üblichen Weihnachtsgrußfloskeln sieht mich meine Schwiegermutter fasziniert und belustigt zugleich an und fragt: „Wie siehst du denn aus?“

17.03 Uhr: Als ich am Spiegel vorbei gehe, sehe ich auch, was sie meint: Ich habe ganz vergessen, mich nach dem Bad zu frisieren.

17.05 Uhr: Okay, jetzt bin ich wieder vorzeigbar und biete meinen Gästen etwas zu trinken an.

17.10 Uhr: Die Große packt bereits ihr erstes Geschenk aus. Dass bei uns das Christkind (jaaa, nicht der Weihnachtsmann!) erst nach dem Abendessen kommt, spielt keine Rolle, schließlich war „Oma’s Christkindl“ (da müssen wohl mehrere unterwegs sein) schon da.

17.30 Uhr: Das Essen steht pünktlich auf dem Tisch, ich habe es geschafft. Okay, jetzt wo der Braten mit den Knödeln so am Tisch steht, fällt mir auf, dass ich die Suppe ganz vergessen habe. Ich nehme noch einen Schluck Wein. Okay, das ist jetzt auch schon egal – die anderen wissen es ja nicht und ich werde einen Teufel tun und es zugeben.

18.00 Uhr: Klingelingeling! Das Christkindl (okay, eigentlich eher meine Mutter) hat das Glöckchen geläutet. Die Kinder sind schon ganz aufgeregt. Sie stürmen die endlich geöffnete Tür und erblicken den Christbaum. Sie finden ihn toll, denn er ist bunt und funkelt schön. Schwiegermutter findet: „Naja, die Farbkombination ist aber etwas gewöhnungsbedürftig.“ Ich antworte: „Das hat man dieses Jahr so!“ und nehme noch einen Schluck.

18.02 Uhr: Die ersten Papierfetzen fliegen, die Kinder machen sich ans Geschenke auspacken. Noch bevor sie das erste Paket von „ihrem“ Christkindl richtig auspacken können, schiebt sich Schwiegermutter schon dazwischen. Mir ist es egal – ich lächle. Der Wein zeigt Wirkung.

19.00 Uhr: Die Kinder sind müde. Sehr müde. Überreizt. Was habe ich auf diesen Moment gewartet. Ich bringe die Kinder ins Bett. Und lasse mir extra viel Zeit.

20.15 Uhr: Ich komme wieder nach unten, wo es sich mein Mann mit seinen Eltern bequem gemacht hat. Ich hole den Nachtisch aus dem Kühlschrank. Gott sei Dank habe ich ihn vorher nicht angekündigt. Ganz so „fix“ ging das mit der Gelatine wohl doch nicht: Das ist keine Zimtmousse, sondern eher so etwas wie Zimtmilch. Na die Katze wird sich freuen – vielleicht.

20.20 Uhr: Ich setze mich zu den anderen auf die Couch und gähne erst einmal lauthals.

20.25 Uhr: Ich gähne nochmal.

20.27 Uhr: Und nochmal.

20.30 Uhr: Endlich verstehen sie meine Botschaft: Sie machen sich auf den Weg nach Hause.

20.45 Uhr: Aufräumen? Keine Lust, der Wein hat sein Übriges getan, mir fallen die Augen zu.

RRRRRRRRRRIIIIIINNNNNNGGGGGG!!!!!

Was? Wie? Was soll das? Und was ist das überhaupt für ein Lärm?

Mein Blick wandert auf das Handy neben mir. Es ist 7.20 Uhr am 24. Dezember 2013. Ich schüttle meinen Alptraum ab und überdenke meinen Tagesplan. Suppe? Gestrichen! Dessert? Ach eigentlich essen wir an Weihnachten eh zu viel. Und mit nur einem Gericht wird der Tag sowieso viel relaxter.

Und jetzt? Jetzt gehe ich als erstes los und überprüfe den Zustand der Christbaumspitze – denn man weiß ja schließlich nie…

Ähnlichkeiten mit realen Personen sind natürlich nur rein zufällig. Meine Schwiegerleute sind sehr liebe Menschen und wir feiern gerne mit ihnen Weihnachten.

Meine Kollegen von texterwissen.de und ich wünschen Ihnen hoffentlich ruhigere Weihnachtstage. Genießen Sie die Zeit und lassen Sie sich einfach mal von der besinnlichen Stimmung fortreißen und vergessen Sie den Alltag!

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