Texter und Agenturen – (k)eine glückliche Kombination

Viele Texter die ich kenne und auch ich selbst haben so angefangen: Die ersten Auftraggeber (von Kunden lässt sich hier mitunter kaum sprechen) waren Agenturen. Die Erfahrungen, die ich selbst gemacht habe und die ich von Texterkollegen gehört habe, sind so unterschiedlich, dass sich kaum Gesetzmäßigkeiten feststellen lassen.

Textagenturen – im Prinzip sind sie alle gleich

Es mag Nuancen und Facetten geben, letztendlich funktionieren Textagenturen zumindest von Texterseite aus gesehen alle gleich: Eine Anzahl von Textern werden als Freelancer ins System aufgenommen und schreiben Texte im Auftrag. Als Bedingung für die Aufnahme in den Texterpool wird meist ein kostenloser Probetext fällig.

Um Akquise, Abstimmung mit dem Endkunden oder Abrechnungen braucht sich der Texter  nicht kümmern, das ist Aufgabe der Agentur. Und genau diese Punkte führen die Agenturen an, um die zum Teil unterirdischen Wortpreise zu rechtfertigen, mit denen die Texter abgespeist werden – oder besser sich abspeisen lassen.

Den meisten von uns stinkt diese Praktik nach einer Weile ganz gewaltig und sie wenden sich mit Grausen von den Agenturen ab – oder gründen selber eine, natürlich mit den besten Vorsätzen, es ganz anders zu machen.

Der pragmatische Blick auf die Textagentur

Sieht man die Sache von Agenturseite aus, ist das Vorgehen wiederum recht verständlich. Akquise, Abstimmungen und Kundengespräche kosten jede Menge Zeit und Energie – da haben es die Texter doch total gut – die müssen „nur“ schreiben und sonst nichts, selbst die Endkorrektur übernehmen hochwertige Agenturen selbst. Auch wieder verständlich, oder? Dem Texter jedenfalls bleiben zwei Möglichkeiten: Entweder er nimmt die Preise hin und denkt sich „Wie schön, dass ich „nur“ texten muss oder das Thema Agentur ist für ihn endgültig erledigt. Aber halt – denn es gibt noch eine dritte Variante!

Manche Textagenturen sind anders

Dieser Tage schneite mir eine verspätete Weihnachtskarte ins Haus. Absender war eine Textagentur, für die ich seit langem und immer wieder gerne schreibe. Ich war ernsthaft gerührt – die Karte war handgeschrieben, super nett und es gab einen Amazon-Gutschein obendrein. Die Karte hat mich in meiner Meinung bestätigt:

Ja, es gibt sie tatsächlich – die Agenturen, bei denen der Texter beides hat: Entlastung vom ganzen Drumherum und trotzdem akzeptable Preise. Natürlich liegen die immer noch niedriger als bei einer Eigenabwicklung des Auftrags, dafür fällt eben auch einiges weg – zum Teil sogar die Rechnungsstellung, weil die Agenturen mit einem Gutschriftensystem arbeiten. Kommen dazu noch nette und sympathisch-menschliche Projektleiter dazu, wie bei besagter Agentur der Fall, dann hab ich nichts mehr zu meckern und schreibe immer wieder gern für diesen Kunden, den teilweise ruppigen Ton der externen Lektoren nehm ich dann schon mal in Kauf.

Letztendlich auch die Agenturen Kunden – mit ihren Stärken und Schwächen. Leider vergessen das einige freiberufliche Texter – was ich gut verstehen kann, denn allzu schnell fühlt man sich vereinnahmt und in einer Art Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Verhältnis gefangen und dann kommt Unzufriedenheit auf.

Nicht vergessen: Auch Agenturen sind Kunden

Das vergessen nicht nur die Texter, sondern ebenso oft die Agenturen: Lieblose Emails im Befehlston, unmäßig hohe Anforderungen., Drängelei, Gängelei und strenge Abgabetermine sorgen dafür, dass sich der freie Texter bald gar nicht mehr frei fühlt. Spätestens dann, wenn er einen Ersatzkunden gefunden hat, sagt er zur Agentur auf Nimmer Wiedersehen.

Gute Agenturen mit schlauen Content Managern wissen das und bemühen sich um etwas, was ohnehin „völlig normal“ ist oder zumindest sein sollte: Einen respektvollen Ton, der Verzicht auf die Vorwegnahme von Unzuverlässigkeiten oder schlechten Texten und das Bewusstsein, dass es sich um ein Verhältnis zwischen Geschäftspartnern und nicht um ein Abhängigkeitsverhältnis handelt.

Bei mir funktioniert das tadellos, denn ich bin ein freundlicher Mensch und will auch dementsprechend freundlich behandelt werden. Stimmt das Verhältnis, dann habe ich auch kein Problem damit, ausnahmsweise mal enge Fristen einzuhalten oder Spezialaufträge zu übernehmen.

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Ich texte seit 2009 - mit wachsender Begeisterung. Als ehemalige Architektin liegen mir besonders die Bauthemen am Herzen. In vielen anderen Themen fühle ich mich ebenso Zuhause und verfasse Fachtexte, Blogbeiträge, Produktbeschreibungen und EBooks.

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