Textaufträge für Bewertungsportale

Immer wieder erreichen mich Anfragen, die sich mit dem Verfassen von Hotelbewertungen oder Produkttests beschäftigen. Eigentlich sind dies ja Textaufträge wie alle anderen auch – sollte man meinen. Aber trotzdem habe ich diesbezüglich sehr oft so meine Bedenken.

Beispiel: Kunde – schreib doch mal über Hotel XY einen „wohlwollenden“ Artikel – Gliederung wie Muster…..

So, oder so ähnlich lauten dann die Anfragen und man muss sich entscheiden, ob man dies übernehmen will oder nicht.

Informationen einholen

Grundsätzlich ist das ja keine schwierige Aufgabe. Im Internet findet man bestimmt die ein oder andere Meinung zu dem gewünschten Hotel. Man macht sich also auf die Suche und findet schließlich, das ein oder andere brauchbare an Informationen. Nun stellt man aber fest, dass nicht alle Kundenmeinungen wohlwollend sind, und mitunter sogar einige negative Stimmen erkennbar sind. Aber ist dies real oder vielleicht von einem Mitbewerber nur Stimmungsmache? Kann man als Außenstehender schlecht beurteilen.

Moral und Wertigkeit

Der Texter, also ich spreche nun einmal nur von mir, ist nun natürlich in einer misslichen Lage. Er könnte nun natürlich alles Negative herausfiltern und nur das Positive für sich verwenden. Aber ist so ein Text dann noch zielführend? Wem soll dieser dienen?

Bild Pixabay Bewertung Sterne
Bild Pixabay Bewertung Sterne

Ich persönlich hab für mich entschieden solche Aufträge nicht mehr anzunehmen, wenn ich dies mit meiner „Moral“ nicht vereinbaren kann. Würde es das Budget hergeben, wäre natürlich eine Testung des Objekts vor Ort optimal, sodass man sich persönlich einen Eindruck verschaffen kann, um im Anschluss einen objektiven Bericht verfassen zu können. Aber dies wird ja leider nicht gewünscht.

Das Gleiche gilt für Produkttests. Kann ich einen Staubsauger o. Ä. als gut beurteilen, obwohl ich ihn nicht einmal in der Hand hatte bzw. ich ausprobiert habe? Natürlich spricht nichts dagegen, eine Produktbeschreibung anhand von Herstellerinformationen oder Produktdaten zu schreiben. Aber das ist ja nicht das Thema.

Man bürgt mit seinem Namen – oder auch nicht

Natürlich hat man als sogenannter Ghostwriter, der solche Artikel und Tests nicht unter seinem eigenen Namen verfasst, gewisse Vorteile, weil es ja nicht offensichtlich zurückverfolgt werden kann und meist auch Stillschweigen vereinbart wurde. Allerdings bliebe auch hier ein übler Nachgeschmack zurück. Finden kann man solche Aufträge im Übrigen auch sehr häufig in Contentbörsen und auf Textplattformen. Hier textet man in der Regel eh nur als unbekannte Nummer und muss sich über irgendwelche Konsequenzen meist keine Gedanken machen.

Über Fake-Beurteilungen (Astroturfing) lässt sich sicherlich streiten. Zumindest der Gesetzgeber hat diesem ja bereits einen Riegel vorgeschoben, auch wenn man dies wohl gar nicht richtig überprüfen kann. Weitere Informationen gibt es unter Kommunikationsrecht.

Und die Moral an der Geschicht?

Man erkennt, es ist es verboten und sollte von seriösen Textern auch nicht bearbeitet werden. Klar, „Schwarze Schafe“ wird es immer geben und jeder Texter hat auch seine eigene Moralvorstellung von dem, was er als Auftrag annehmen möchte oder nicht.

Ich will mich hier auch nicht als Moralapostel aufspielen. Wie gesagt, es bleibt jedem Texter selbst überlassen, welche Aufträge er annimmt. Ich habe das allerdings für mich persönlich ausgeschlossen.

Natürlich interessiert mich auch die Sichtweise der anderen Texterkollegen. Vielleicht sehe ich das zu verbissen, wo ein anderer hierüber wiederum nur milde lächelt.

Los sagt mir eure Meinung ……

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Anja Bergler

Geschäftsführerin/Teilhaberin bei Berla GbR - Berlatext
Seit 2007 Online-Texterin, Mutter von 4 Kindern und Teilhaberin der Textagentur Berlatext.

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