Kundenanfragen: Auf Wunsch wird gehext

Jeder von uns ist irgendwann mal Kunde. Ob im Supermarkt, im Klamottengeschäft oder bei einem Handwerksbetrieb. Als Kunde hat man in der Regel gewisse Vorstellung, wie etwas auszusehen hat oder erledigt werden soll. Nicht immer, denn manche Kunden haben so gar keine Vorstellung was sie wollen, während andere Kunden Dinge möchten, die in die Kategorie „Simsalabim“ gehören. Aber mal der Reihe nach!

Texter brauchen manchmal hellseherische Fähigkeiten

Als Texter bin ich täglich mit Kunden in Kontakt. Meist per E-Mail. Den Auftraggeber kenne ich dann nur durch den Mailverkehr, ganz selten wird mal telefoniert. Das bedeutet, dass man nicht immer so genau weiß, wie das Gegenüber tickt – andersherum ist es natürlich genauso. Aber das soll hier nicht Thema sein.

Trudelt eine Anfrage für einen Textauftrag bei mir ein, dann gibt es sehr oft Mails, mit denen ich erst mal so gar nichts anfangen kann. Warum? Weil elementar wichtige Angaben einfach fehlen. So ist es für mich als Texter unter anderem wichtig zu wissen,

  • um welches Thema es sich handelt,
  • wie lang der Text werden soll,
  • ob es bestimmte Inhalte gibt, die in den Text mit rein müssen,
  • wo der Text erscheint, sprich, welche Textart gewünscht ist,
  • wann der Text fertig sein soll.

Mir würden nach längerem Überlegen sicherlich noch mehr Punkte einfallen … Wenn schon an solchen wichtigen Informationen gespart wird, dann hab ich ein Problem. Vielleicht mal als Vergleich: Ich gehe ja auch nicht in den Baumarkt und sage: „Ich brauche ein Brett“.

Was Kunden so alles wollen

Dass dies von Kunden keine Absicht ist, ist klar, viele vergessen wichtige Angaben oder sind unbedarft, weil sie bisher noch keinen Texter beauftragt haben, sprich, sie wissen nicht, welche Angaben benötigt werden. Kein Problem, wird der Kunde eben gelöchert. Doch es gibt auch Mails von Kunden – auch von alteingesessenen, die es – meiner Meinung nach – besser wissen müssten. Da frag ich mich schon manchmal, was sie beim Schreiben gedacht haben. Nix vermute ich mal … Oder wie würden Sie folgende beispielhafte Anfragen deuten?

  • „Hallo Herr Schossig. Ich bräuchte bitte 20 Texte á 400 Wörter bis morgen.“
  • „Hätten Sie Zeit, um mir bis in drei Stunden vier Fachartikel zu schreiben?“
  • „Wie sieht es zeitlich bei Ihnen aus? Ich habe hier 150 Produktbeschreibungen, die ich bis übermorgen in meinen Shop einpflegen möchte.“

Eines muss man diesen Kunden lassen: Im Gegensatz zu manchen Auftragsmails, in denen wichtige Infos fehlen, sind das zumindest klare Aussagen. Ich freue mich natürlich immer über Arbeit, aber sorry, hexen und zaubern kann ich noch nicht. Ich weiß nicht, ob sich die Kunden keine Gedanken darüber machen oder ob sie glauben, Texter würden däumchendrehenderweise vor dem geöffneten E-Mail-Programm sitzen und nur darauf warten, dass es „Pling“ oder „Plong“ macht, eine Mail eintrudelt und sie sofort loslegen können? So ist es nämlich nicht. Natürlich gibt es Tage, die mal ruhiger sind und andere stressiger, aber solche Aufgaben wie gerade von mir beschrieben, sind so eigentlich nie zu stemmen.

Es ist von Texter zu Texter unterschiedlich, ich persönlich brauche immer einen Vorlauf von rund einer Woche. Dreht es sich mal um einen Text, der zudem nicht besonders rechercheintensiv ist, dann kann ich den natürlich dazwischenschieben, alles andere muss aber geplant werden. Deswegen liebe Kunden:  Ich schreibe gerne für Sie, aber magische Finger hab ich noch nicht. Vielleicht hilft es Ihnen, wenn Sie wissen, wie so ein Text überhaupt entsteht. Das aber möchte ich Ihnen in einem anderen Artikel erläutern.

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Ich brigne Irhe Buhcsetabn in die rhigicte Riheneflgoe

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