Keyworddichte – Muss das sein?

Ich stelle heute eine gewagte These auf: Kein Texter schreibt Texte mit hoher Keyworddichte so richtig gerne. Zu der Zeit, als ich ins Texterbusiness eingestiegen bin – in den Jahren 2008 und 2009 – war es allerdings an der Tagesordnung, Texte mit einer Keyworddichte von mindestens (!) 4 Prozent zu bestellen – gerne jedoch auch schon einmal mit 5 oder 6 Prozent. Wenn es dann auch noch um Long Tail Keywords geht, wird es schon haarig.

Ein Rechenbeispiel

Können Sie sich vorstellen, 50 Texte zu je 300 Wörtern über Schlafzimmerkommoden zu schreiben? Das an sich ist ja schon eine Herausforderung. In diese dann jedoch auch noch das Keyword „Schlafzimmer Kommode kaufen“ mit einer Keyworddichte von 5 Prozent einzubauen – selbstverständlich unverändert und nicht etwa mit gebeugtem Verb – grenzt schon fast an Hexerei. Lassen Sie uns das kurz durchrechnen:

Eine Keyworddichte von 5 Prozent macht bei 300 Wörtern eine Nennung von stolzen 15 Mal aus. Da das Keyword aus drei Wörtern besteht, entfallen also insgesamt 45 Wörter auf das Keyword. Grob überschlagen müsste also spätestens jeweils nach sechs bis sieben Wörtern bereits wieder der Term „Schlafzimmer Kommode kaufen“ auftauchen, um der Forderung nach 5 Prozent gerecht werden zu können.

Erkennen Sie den Fehler? Es ist unmöglich (!), einen stimmigen und für den Leser angenehmen Text zu kreieren, bei dem in jedem Satz das vorgegebene Longtail-Keyword auftaucht. Ganz davon abgesehen, dass es dem Texter keinen Spaß macht, einen solchen Text zu schreiben, wird jeder vernünftige Leser sofort die Flucht ergreifen, sobald er diesen zu Gesicht bekommt.

Warum also überhaupt Keyworddichte?

Natürlich hat auch die Keyworddichte eine gewisse Daseinsberechtigung. Schließlich will man Google damit klarmachen, dass die jeweilige Seite für ein Keyword besonders wichtig ist. Und wie sollte man das besser machen als mit der häufigen Erwähnung des jeweiligen Wortes? Lange Zeit war es tatsächlich so, dass die Suchmaschine mithilfe der Keyworddichte gut manipuliert werden konnte. Selbst mit völligem Schrott (in inhaltlicher Hinsicht) konnte man sehr gut ranken, wenn man es nur schaffte, möglichst oft das jeweilige Wort in den Text zu packen. Rechtschreibung, Grammatik, Stil und Inhalt – alles egal, solange die Quote stimmte.

Was einige selbsternannte SEOs immer noch nicht mitbekommen haben: Die Zeiten haben sich geändert. Google ist schlauer geworden, hat seinen Algorithmus angepasst und hat gelernt, dass die Keyword Density doch nicht der Top-Rankingfaktor sein sollte. Als Karl Kratz seine WDF*IDF-Formel (dazu gleich noch mehr) einführte, prägte er im zugehörigen Blogartikel einen Satz, den ich hier als sehr passend erachte: „Wer mit dem Faktor ‚Keyword Density‘ arbeitet, hat SEO nicht verstanden.“.

Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter: Wenn man für den Leser schreibt, schreibt man automatisch auch für die Suchmaschine. Ich verrate Ihnen gleich, warum. Vorher gibt es aber noch einen kurzen Exkurs in Richtung „Keyword Spamming“.

Keyword Spamming – Wenn es dann doch einmal zu viel wird

Hinsichtlich der Keyworddichte ist Google großzügig – doch irgendwann wird es der gutmütigsten Suchmaschine zu bunt. Bei Keyword Spamming hört der Spaß ganz schnell auf, denn wo Keyworddichten jenseits der 6 Prozent vorherrschen, ist die nächste Abstrafung durch Google nicht mehr weit.

Tatsache ist: Niemand weiß genau, wie hoch die optimale Keyworddichte ist. In Googles Richtlinien für Webmaster steht nicht „Füge dein Hauptkeyword in einer Dichte von 3 Prozent ein.“. Und auch Angaben wie „Ab 7 Prozent Keyworddichte beginnt Keyword Spamming.“ werden Sie vergeblich suchen. Der Grund dafür ist einfach: Wo Spamming beginnt, ist sehr unterschiedlich. Bei komplizierten Longtail-Keywords wie „Schlafzimmer Kommode Kosten“ ist die Grenze sicherlich schneller erreicht als bei einem aus einem Wort bestehenden Keyword wie „Schlafzimmer“. Keyword Spamming beginnt schlichtweg an dem Punkt, an dem der Text für den Leser nicht mehr angenehm zu lesen ist.

Von daher gilt aus meiner Sicht der Grundsatz: Weniger ist manchmal mehr!

Was ist mit WDF*IDF?

So mancher wird sich an dieser Stelle sicher fragen, was das sein soll. Es ist die Zauberformel, der Erfolgsfaktor, das Geheimrezept, auf das die SEO-Branche bereits seit Jahren gewartet hat. Oder so ähnlich. Zumindest wird die ominöse Formel von vielen einschlägigen SEO-Blogs so angepriesen.

Um einen Text nach WDF*IDF zu optimieren, werden zunächst die Top 10 der Google Suchergebnisse zu einem bestimmten Thema ausgewertet. Dabei wird überprüft, welche Schlagwörter in diesen Texten in welcher Häufigkeit vorhanden sind. Anschließend verfasst man einen Text, in dem eben diese Schlagwörter in derselben Häufigkeit auftauchen. Da man aus den Top 10 die besten Keywords „herauszieht“ und in der scheinbar optimalen Dichte einbaut, verspricht man sich, diese Suchergebnisse mit dem eigenen Text in den Schatten stellen zu können.

Im Grunde genommen ist WDF*IDF der Versuch, eine natürliche Schreibweise nachzuahmen. Blöderweise stützt man sich dabei auf die Top 10 Suchergebnisse – und die sind im Regelfall alles andere als natürlich, sondern wurden ebenfalls mit Keyworddichte & Co. künstlich hochgepusht.

Was ist denn nun eigentlich richtig?

Jede Methode hat ihre Daseinsberechtigung und verspricht sicherlich den einen oder anderen Anfangserfolg. Hinsichtlich der Keyworddichte musste allerdings schon so mancher Seitenbetreiber, der lange Zeit gute Rankings inne hatte, noch einmal komplett von vorne beginnen, nachdem seine Seiten in den SERPs abgerutscht waren. Und sicherlich gibt es auch Webmaster, die nach WDF*IDF optimiert und dafür Unmengen von Geld investiert haben, ohne hinterher auch nur ansatzweise positive Effekte damit erzielt zu haben.

Meiner Meinung nach ist die einzige Möglichkeit, Google langfristig von der Qualität der eigenen Inhalte zu überzeugen, eine natürliche Schreibweise. Und „natürlich“ bedeutet für mich tatsächlich „natürlich“. Übersetzt heißt das: Den Schreibstil weder an irgendwelche Formeln oder Quoten anzupassen noch in irgendein Schema pressen zu lassen.

Sie haben diesen Artikel gefunden und gelesen? Dann haben Sie das perfekte Beispiel dafür, dass gute Texte auch ohne Keyworddichte & Co. ranken können. Dies soll übrigens nicht bedeuten, dass ich diese Methoden voll und ganz ablehne. Sie sind ein Teil meiner täglichen Arbeit und gehören einfach dazu. Allerdings sollte man alles in Maßen genießen.

Übrigens entwickelt sich auch Google immer mehr hin zur Textqualität und weg von „harten“ Faktoren wie Keyworddichte oder Backlinkstruktur. Ein neues Patent (mehr dazu verrät t3n) ermöglicht es der Suchmaschine zukünftig, anhand des in der SEO-Branche blumig als „Schwafel-Score“ bezeichneten Algorithmus zu beurteilen, ob ein Text hochwertige Informationen enthält oder ob sie billigen Seitenfüller-Content von Billigschreibern vor sich hat.

Seitenbetreiber sollten sich schon heute für die Änderungen in Zukunft vorbereiten und in hochqualitativen Content investieren, statt Unmengen an Schrott-Inhalten anzuhäufen. Die Devise lautet „Qualität statt Quantität“.

P.S. Übrigens beträgt die Keyworddichte für das Wort „Keyworddichte“ in diesem Text gerade einmal 1,57% – trotzdem sind Sie hier!

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