Was hast du heute eigentlich gemacht? – oder: Die Tücken des Homeoffice

Von Zuhause aus zu arbeiten bedeutet in den Augen der meisten Menschen vor allem:

  • den größten Teil des Tages auf der Couch zu verbringen (Hartz-TV lässt grüßen)
  • nebenher ein bisschen Haushaltsarbeit machen
  • Zeitung lesen, natürlich mit Kaffee gemütlich auf der Terrasse

Kurzum: Als Arbeit kann man die Heim“arbeit“ sowieso nicht bezeichnen. Mit derlei Vorurteilen wird man als Selbstständiger im Homeoffice gerne mal konfrontiert. Ich möchte deshalb heute zeigen, wie der Alltag einer im Homeoffice selbstständigen Mutter aussehen kann bzw. wie er aussieht. 😉 Und das trifft so oder ähnlich sicherlich auf die meisten anderen Heimarbeiter zu, wenn auch vielleicht in anderer Konstellation.

Ein typischer Tagesablauf

6.15 Uhr: Mein Wecker klingelt. Ähm, nein, kein Wecker, es ist das kleine Kind, das voller Energie und Elan in mein Schlafzimmer gestürmt kommt, um mir das neueste Kunstwerk zu präsentieren, während ich kaum meine Augen aufbekomme. Ich gönne mir noch etwa 15 Minuten, um die Träume zu verjagen, denen ich gerade noch nachhing. Leider war’s heute mal wieder nichts mit „um 10 Uhr aufstehen und erstmal gemütlich frühstücken“.

6.30 Uhr: Ich stehe – nicht gerade wie aus dem Ei gepellt, aber immerhin angezogen – in der Küche. Die Kids holen sich ihr Frühstück – wohlwissend habe ich alle Zutaten dafür auf Kinderhöhe platziert. Nicht zum letzten Mal an diesem Tag frage ich mich, ob ich nicht doch mal anfangen sollte, Kaffee zu trinken.

7.10 Uhr: Nach gefühlten hundert Ermahnungen sind die beiden endlich mit dem Frühstück fertig, während ich schon mal die ersten E-Mails beantwortet und verschickt habe sowie meine Aufgaben für heute durchgegangen bin.

7.40 Uhr: Nach dem einen oder anderen Kampf sind beide Kinder fertig angezogen, das Pausenbrot vorbereitet – ab in den Kindergarten.

8.10 Uhr: Ich sitze an meinem Schreibtisch. Frühstück geht nebenher, während ich mich schon mal in die erste Aufgabe einlese. Bis Punkt 12 Uhr arbeite ich. Konzentriert. Ohne Fernsehen, leider nicht immer ohne Facebook, aber in dieser Zeit schreibe ich je nach Thema zwischen 1.000 und 1.500 Wörtern, beantworte noch mehr E-Mails, führe einige Telefonate.

12.00 Uhr: Ich hole meine Kinder vom Kindergarten ab und überlege, was ich heute kochen könnte.

12.20 Uhr: Ich bin zurück und weiß noch nicht, was ich kochen soll – immerhin weiß ich jetzt, was heute im Kindergarten los war.

12.30 Uhr: Ich werfe wild irgendwelche vielleicht zusammenpassenden (vielleicht auch nicht) Zutaten in einen Topf und versuche, sowas wie ein Essen zustande zu bekommen (glücklicherweise kann ich kochen und deshalb aus so ziemlich allem irgendwie etwas Essbares zaubern).

13.30 Uhr: Das kleine Kind wandert ins Bett und ich beseitige das Chaos in der Küche, ehe ich mich nun etwa anderthalb Stunden lang wieder meiner Arbeit widmen kann. Mit etwas Glück gehen da ein bis zwei kürzere Texte – die Große ist ja anwesend und fordert bisweilen meine Aufmerksamkeit ein, sei es in Form von „Zahlen üben“, „Schau mal Mami, was ich gemalt habe“ und „Lies mir das Buch vor“.

15.30 Uhr: Der kleine Zwerg steht wieder auf. Nun folgen etwa zwei Stunden Haus- und/oder Gartenarbeit, die nunmal auch sein müssen.

17.30 Uhr: Bis 19.00 Uhr folgen nun chronologisch: Abendessen, Kinder, umziehen, Zähneputzen, Gute-Nacht-Geschichte lesen.

19.00 Uhr: Der zweite Teil meines Arbeitstags beginnt. Ich arbeite je nachdem, wie viel Arbeit noch übrig ist, bis etwa 22.00 oder 23.00 Uhr.

Was ich damit sagen will

Mir ist völlig klar, dass mein Tagesablauf für die meisten kaum interessant sein dürfte – bitte sehen Sie ihn nur exemplarisch. Was ich damit sagen will: Der Tag eines Selbstständigen im Homeoffice besteht längst nicht nur aus Faulenzen (genau genommen das sogar kaum). Zumindest in meinem Fall ist quasi jede Minute des Tages verplant. Ich finde es immer wieder toll, wenn mir Kunden schon zwei Stunden, nachdem sie mir eine Mail geschickt haben, nachtelefonieren, weil sie sich wundern, dass ich noch nicht geantwortet habe. Wundern Sie sich darüber wirklich? Nur weil ich Zuhause arbeite, bedeutet das nicht automatisch, dass ich „nur“ das tue. Und ebenso wenig bedeutet es, dass ich „nie“ arbeite und nur auf der faulen Haut liege.

Im Prinzip arbeite ich wie jeder andere auch. Der feine Unterschied sind die Arbeitszeiten. Ich arbeite nicht von 9 bis 17 Uhr wie andere, sondern etappenweise von 8 bis 12 Uhr, von 13.30 bis 15.30 Uhr, von 19 bis 22 Uhr. Rechnen Sie mal zusammen – damit komme ich immer noch auf deutlich mehr Stunden, die der normale Arbeitnehmer arbeitet, immerhin kommen die Samstage und nicht selten die Sonntage noch dazu.

Ist das Homeoffice wirklich so schön?

Dass wir uns nicht falsch verstehen: Ich arbeite gerne im Homeoffice, immerhin ermöglicht es mir, Geld zu verdienen und parallel meine Kinder selbst großzuziehen. Aber das Homeoffice hat definitiv auch seine Tücken, die man nicht unterschätzen sollte:

  • Wenn man nicht aufpasst, findet man sich eines morgens noch im Schlafanzug und ungewaschen am Schreibtisch wieder, weil „es sieht ja keiner“.
  • Die Trennung von Privat und Arbeit verschwimmt immer mehr. Wie oft habe ich mich schon dabei erwischt, gleichzeitig zu arbeiten und nebenher Spiele mit meiner Tochter zu spielen? Man vergisst des Öfteren, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.
  • Man fängt an, private Zeit als „verlorene Zeit“ zu betrachten oder gar in entgangene Vergütung umzurechnen.
  • Der Partner sieht selten, was man den ganzen Tag gemacht hat. Das Arbeitsergebnis als solches ist nicht sichtbar und im Haushalt ist es immer noch unordentlich – ergo: auf der faulen Haut gelegen. Unzufriedenheit auf beiden Seiten ist nicht selten.

Wichtig ist es im Homeoffice, eine klare Grenze zwischen Arbeit und Vergnügen zu ziehen. Mir gelingt das leider nicht mal annähernd immer, auch wenn ich seit längerem verstärkt daran arbeite. Mit ein Grund dafür sind oft Kunden, die es voraussetzen, dass man mehr oder weniger ständig verfügbar ist. „Kannst du den Text heut noch zwischenschieben?“ -> Übersetzt bedeutet das für mich: Schreib das mal noch zusätzlich, du bist ja eh zuhause und somit am Arbeitsplatz, ob du da jetzt eine Stunde länger sitzt oder nicht, kann mir ja egal sein.

Was ich mir wünschen würde, wäre etwas mehr Respekt und auch ein Stückweit mehr Rücksichtnahme. Oftmals sind es nämlich gerade die Personen, die selbst sehr ungehalten reagieren, wenn man mal kurzfristig etwas von ihnen bräuchte.

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