Expertenwissen – unnötig oder notwendig?

Zahlreiche Anzeigen, in welchen Texter für bestimmte Aufträge gesucht werden, fordern die Auftraggeber Expertenwissen und entsprechende Referenzen darüber. Aus ihrer Sicht natürlich völlig zu Recht. Schließlich wollen sie gute und hochwertige Texte bekommen, die gut geschrieben sind und dem Leser einen Mehrwert bieten. Für einen etablierten Kollegen, der sich auf bestimmte Schwerpunkte festgelegt hat, stellt das auch kein Problem dar. Wer sich erst als Texter etablieren möchte, mag sich vielfach vorkommen, als solle er die Ansprüche einer eierlegenden Wollmilchsau erfüllen. Denn in vielen Fällen ist tatsächliches Expertenwissen schlicht nicht erforderlich.

Auf die Zielgruppe kommt es an

Normalerweise – so ist zumindest meine Erfahrung aus mehr als zwei Jahren – geht es darum, dem Leser irgendetwas vorzustellen, zu erklären oder schmackhaft zu machen. Diesem Anspruch kann jeder fähige Texter mit dem entsprechenden Rechercheaufwand ohne Probleme gerecht werden, ohne jemals zuvor vom Thema gehört zu haben. Bei eigentlich fachfremden Themen hat natürlich jeder Texter seine ganz persönliche Herangehensweise. Ich arbeite bei umfangreicheren Projekten beispielsweise nach der Methode, die ich im Journalismus gelernt habe: Erst einmal sammle ich so viele Informationen wie möglich, um mir einen Überblick zu verschaffen. Im nächsten Schritt suche ich zielgerichtet die Informationen, die ich zur Bearbeitung brauche. Anschließend versuche ich, das Thema so einfach wie möglich darzustellen, um eine breite Leserschicht anzusprechen.

Bis zu einem gewissen Grad funktioniert diese Vorgehensweise auch bei spezifischen Themen, etwa wenn es darum geht, Fachartikel in verständliches Deutsch zu übersetzen. An reine Fachartikel, die sich auch an eine entsprechende Zielgruppe richten, sollte man sich als Laie allerdings nur mit größter Vorsicht wagen, weil sich fast zwangsläufig Inkorrektheiten oder gar sachliche Fehler einschleichen. Als besonders heikel empfinde ich die Themenkomplexe Medizin, Recht und Technik, was aber durchaus auch am fehlenden Interesse für die Materie liegt.

Ein Risiko eingehen?

Auch wenn der Texter eigentlich ein Laie ist, kann sich die spätere Zusammenarbeit durchaus lohnen. Sehr oft stellt sich im Briefing nämlich heraus, dass das Thema durchaus mit einem vertretbaren Aufwand zu bearbeiten ist. Der Auftraggeber wiederum hat den Vorteil, das ein Laie mit einem anderen Denkansatz an das Thema herangeht und dadurch die Texte erst das besondere Etwas bekommen.

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Harry Sochor

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