Einmal kostenloser Probetext? Bitte sehr, bitte gleich!

Haben Sie schon mal etwas ungesehen gekauft? Wohl kaum! Egal, ob man sich ein neues Handy anschaffen möchte, ob es ein Kleid sein soll oder der neue Flatscreen – sehen möchte man die Ware schon, bevor man sie sich kauft. Im Geschäft kein Problem, im Internet geht das nur per Foto. Aber: Bei Waren, die Sie online kaufen, haben Sie ja auch ein Rückgaberecht. Gefällt es nicht, wird es zurückgeschickt. Risiko = 0.

So, was ist aber nun, wenn Sie eine Dienstleistung in Anspruch nehmen möchten? Wenn Sie beispielsweise auf der Suche nach einem Handwerker sind, der Ihnen einen neuen Fußboden verlegen soll, oder wenn Sie einen Elektriker brauchen, weil es ein Problem bei den Stromleitungen gibt. Nach welchen Kriterien suchen Sie sich diese Dienstleister aus? Empfehlungen? Wohnortnähe? Preise? Erfahrung? Es gibt unterschiedliche Kriterien, die mit Sicherheit alle ihre Berechtigung haben. Was bei einem Dienstleister aber niemals geht: Ihn erst mal zu testen. „Kommen Sie doch mal vorbei und bauen Sie mir ein Probefenster ein.“ Oder: „Fliesen Sie mir mal einen Probeboden im Badezimmer.“ Auf solche Ideen käme wohl niemand. Nun stellt sich mir allerdings die Frage, warum dann manche Auftraggeber glauben, einen kostenlosen Probetext von einem Texter anfordern zu können. Das haut doch irgendwie nicht hin …

Die Katze im Sack

„Ja, aber ich möchte doch nicht die Katze im Sack kaufen.“ Das Argument mag einleuchten, und auch die Tatsache, dass ein Auftraggeber erst mal sehen möchte, ob ihm die Schreibe eines Texters gefällt. Alles einzusehen, doch dafür gibt es andere Möglichkeiten. Kostenlose Probetexte gehören nicht dazu!

Wer als professioneller Texter auftritt, der sollte dafür sorgen, dass sich der Auftraggeber schon im Vorfeld ein Bild von ihm machen kann. Dies kann er tun, indem er dem neuen Kunden bereits von ihm verfasste Texte zur Ansicht schickt. Dadurch sollte der AG einen guten Einblick in den Schreibstil erhalten – es braucht also nicht einen eigens auf ihn zugeschusterten Text.

Die beste Möglichkeit, sich über einen Texter zu informieren, ist natürlich die eigene Website. Ein professioneller Texter sollte diese immer haben. Nicht nur, um gefunden zu werden, sondern um sich präsentieren zu können. Dort finden Interessenten dann Links oder Dokumente zu Texten, die der Texter in der Vergangenheit für andere AG angefertigt hat. Im Idealfall präsentiert er unterschiedliche Themenbereiche, um seine vielseitige Schreibe noch besser präsentieren zu können. Und schon sollte der neue Auftraggeber erkennen können, ob man zusammenkommt oder nicht.

Die Forderung von kostenlosen Probetexten sind eine Unart, die sich bei vielen – warum auch immer – eingebürgert hat. Wer professionell an die Texterei rangeht, wer davon lebt und wer hochwertige Texte schreibt, der weiß, wie er sich präsentieren muss, damit ein Kunde auch ohne kostenlosen Probetext erkennen kann, ob eine Zusammenarbeit für beide Seiten passt. Ich persönlich vermute ja, dass es in den meisten Fällen nicht die Kunden sind, die einen Text kostenlos wollen, sondern dass die Texter an dieser Misere selbst schuld sind. Oder warum sieht man in diversen Texterbörsen immer wieder Anzeigen von Textern, die mit Aussagen wie „gerne schreibe ich Ihnen einen kostenlosen Probetext“ auf Kundenfang gehen? Weil sie naiv sind? Weil sie nicht professionell arbeiten? Weil sie nur so an Jobs kommen?

Ach ja: Ganz besonders schlimm finde ich Agenturen, die für  unterschiedliche AG Textaufträge vergeben und für jeden neuen Auftraggeber neue kostenlose Probetexte haben möchten. Am besten zwei oder drei, damit sie sich ein besseres Bild machen können. Sorry, aber wo sind wir denn?

Wenn mir jemand nur ein einziges stichhaltiges Argument bieten kann, das mich überzeugt, dann nehme ich alles zurück und schreibe in Zukunft auch kostenlose Probetexte. Aber diese Argumente gibt es glücklicherweise nicht.

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Ich brigne Irhe Buhcsetabn in die rhigicte Riheneflgoe

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