Burnout: Ernstzunehmende Krankheit oder Modeerscheinung?

Ich bin der Überzeugung, dass ein Burnout eine schwerwiegende Erkrankung ist. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie sehr Überlastung einen Menschen „lahmlegen“ kann. Deshalb empfinde ich es als umso erschreckender, wie viele Menschen diesen Begriff inflationär verwenden, sobald sie einmal ein paar Tage lang müde sind (weil sie zu wenig geschlafen haben).

Nicht einfach nur müde

Von einem Burnout kann man sprechen, wenn eine Vielzahl von physischen Faktoren zusammen kommen, beispielsweise

  • Schlafstörungen
  • Erschöpfungszustände
  • ständige Müdigkeit
  • Probleme im sexuellen Bereich
  • häufige Infekte
  • Verdauungsprobleme
  • Kopfschmerzen und Schwindel

In aller Regel geht ein Burnout aber auch mit schwerwiegenden psychischen Problemen einher. Die Betroffenen können sich morgens kaum überwinden, zur Arbeit zu gehen (nicht zu verwechseln mit allgemeiner Arbeitsunlust!). Sie fühlen sich entmutigt und sind sich bereits von vornherein sicher, zu versagen. Sie können sich nicht konzentrieren, sind nervös und verspannt. Die Betroffenen können sich ohne fremde Hilfe nur schwer aus diesem Teufelskreis befreien und benötigen professionelle Hilfe.

Kurzum: Ein Burnout ist nicht auf die leichte Schulter zu nehmen und bedarf insbesondere psychologischer Betreuung. Nicht selten ist die Genesung für die Betroffenen mit einem längerfristigen Aufenthalt in einer Klinik verbunden.

Burnout ist „in“

Diese Entwicklung hin zur beinahe verschwenderischen Nutzung des Begriffs Burnout fällt mir schon seit längerer Zeit negativ auf. Gerade weil ich in meinem Leben schon mehrere Menschen erleben musste, die an dieser Krankheit ernsthaft erkrankt sind, bin ich diesbezüglich wenig verständnisvoll.

Den Ausschlag für diesen Text gab für mich ein Artikel, den ich heute Morgen bei berlin-aktuell.de gelesen habe. Der Autor titelte „Ein Drittel der Deutschen hat Weihnachtsstress“ und umschrieb dies mit dem Begriff „X-Mas Burn Out„. Mich würde doch sehr interessieren, was ein wirklich Betroffener zu einer solchen Betitelung sagen würde.

Es klingt wie blanker Hohn, den Stress beim Kauf von Geschenken, Backen von Plätzchen und Aufstellen von Weihnachtsdekoration mit einer Krankheit zu vergleichen, die die Betroffenen soweit lähmt, dass sie selbst einfachsten Alltagstätigkeiten wie der Zubereitung ihres Abendessens oder des Wäschewaschens nicht mehr richtig nachgehen können – von der Berufstätigkeit ganz zu schweigen.

Einfach zwischendurch mal den Kopf einschalten

Je mehr die Menschen den Begriff „Burnout“ stellvertretend für Erschöpfung, Müdigkeit und zu viel Stress sehen, desto schwerer fällt es allen anderen, diese Erkrankung ernst zu nehmen. Wirklich Betroffene werden schräg von der Seite angesehen, denn „die simulieren ja eh“. Dass es sich dabei um eine ernsthafte Erkrankung handelt, deren Genesung oft Monate wenn nicht sogar Jahre in Anspruch nimmt, ist vielen gar nicht bewusst. Vielleicht sollten diejenigen, die den Begriff leichtfertig verwenden, einfach ab und an mal den Kopf einschalten und sich überlegen, was sie damit eigentlich anrichten können.

Und übrigens: Wer sich vom „X-Mas Burn Out“ betroffen fühlt, sollte vielleicht einmal darüber nachdenken, ob er etwas falsch macht. Denn wenn jemandem Gäste, Geschenke & Co. einfach zu viel sind, sollte vielleicht an den Traditionen einfach einmal etwas verändert werden. Warum nicht einfach einmal Weihnachten im kleinen Kreis mit der eigenen Familie feiern statt sich sämtliche Verwandten nach Hause einzuladen? Und warum nicht einfach auf wenige Geschenke beschränken, anstatt Unmengen von Paketen unter dem Baum aufzuhäufen? Die „stade“ Zeit ist bei kaum einem Deutschen wirklich ruhig – aber wahrscheinlich wollen es die meisten so, sonst würden sie etwas in ihrem Leben ändern.

In diesem Sinne: Ich wünsche Ihnen eine gesunde, hoffentlich ruhige Vorweihnachtszeit und einige erholsame Weihnachtstage!

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