Bin ich Texter oder Autor?

friedrich-schiller-67683_150Du musst dich schon entscheiden! Oder bewusst beides machen. Erst mal fragst du Wikipedia, was es zu dem Begriff Autor sagt. Du siehst, dass man darunter eher literarisches Schaffen versteht. Gemeinhin verstehen wir unter einem Autor halt doch am ehesten jemanden, der einen Roman verfasst. Auch journalistische Artikel haben einen Autor.

 

Was ist nun der Texter, der im Auftrag textet?

An sich hat er mit dem freischaffenden Autoren, der allein in seinem Kämmerlein sitzt und literarische Wunderwerke à la Buddenbrooks oder Harry Potter ersinnt, nicht so viel gemeinsam, wie man von außen betrachtet denken könnte. Wir Texter sind wesentlich weniger frei in der Gestaltung unserer ‚Werke‘, wir erledigen eben Auftragsarbeiten oder wir schreiben wie hier in Themen-Blogs. Dann können wir uns ähnlich frei Schnauze äußern wie so mancher Roman-Autor. Unser Job ist das aber eigentlich nicht. (Eigentlich ist übrigens ein böses Füllwort, dass der Texter tunlichst vermeiden soll.. also eigentlich..)

Wir sollen Texte nach oft eng gefassten Vorgaben und Briefings erstellen. Erstellen ist dabei ein wichtiger Begriff. Man erstellt die Texte. Man schreibt sie nicht frei heraus. Man erstellt dem Auftraggeber ein Werk, das seinem vorgegebenen Muster entsprechen muss. Das ist oft nicht so einfach, wie sich das ein Außenstehender oder ein Anfänger im Business vorstellt. Die Texterei hat nicht viel vom romantischen Bild des Schriftstellers, der verträumt melancholische Verse an seine Angebetete schreibt, die ihn sowieso nie erhören wird. Auch die Arbeit eines Sci-Fi-Autoren hat mit der Texterei nicht viel gemeinsam.

Die Texterei – ein Handwerk, das man lernen kann

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Texterei ist ein passender Ausdruck für unser Business. Denn es gehört so etwas wie Handwerk dazu. Und damit ist nicht das flinke Tippen gemeint, sondern verschiedene Fähigkeiten, die man sich im Laufe der Zeit aneignen muss. Eines davon ist das effektive Recherchieren und die Wahl seriöser Quellen. Eine andere Fähigkeit ist, dass man sich auf verschiedene Textsorten einstellen muss. Einen locker geschrieben Blog-Artikel wie diesen hier, wollen die wenigsten Auftraggeber, weil er natürlich zu persönlich klingt.

Meist geht es um Informations-Texte, die leicht verständlich geschrieben werden müssen. Produktbeschreibungen sollen manchmal rein sachlich und nüchtern geschrieben sein, manchmal leicht werblich, manchmal sehr werblich. Jeder Auftrag ist anders und jeder Auftraggeber hat andere Vorstellungen. Wir können also nicht so schreiben, wie es uns selber am ehesten gefällt, sondern wir erfüllen bestimmte Vorstellungen. Das kann unter Umständen harte Arbeit sein.

Produktbeschreibungen mit Verboten

Ein Beispiel will ich aufführen. Für einen Online-Shop sollen Kleidungsstücke beschrieben werden, möglichst animierend, aber auch nicht zu sehr. Man soll nah am Produkt bleiben und nicht zu sehr abschweifen. Leider bleibt es nicht bei diesen Vorgaben. Der Auftraggeber bietet verschiedene Mode-Linien an und diese sind mit bestimmten Attributen verbunden. Der Texter darf keinesfalls die Wordings der einen Linie in einer anderen Linie verwenden. Also ein hippes T-Shirt darf nicht mit den Attributen stilvoll und elegant umschrieben werden. Leider bleibt es auch bei diesen Vorgaben nicht, sondern es kommen noch mehr Verbote hinzu. Man darf in den Produktbeschreibungen nicht die Farbe des Produktes nennen, auch nicht das Muster! Nein, denn es sollen ja eventuell noch andere Farben und Muster dieses Modells mit in das Sortiment genommen werden. Ebenso darf man bei der Herrenmode bloß nichts von der Schnittform sagen, sondern muss sich ein Wording ausdenken, dass irgendwie männlich, cool und hip wirkt. Es kommen bei diesem Auftrag leider noch mehr Tabus hinzu, wie keine Angaben zur Stoffqualität machen, bestimmte Ausdrücke, die in der Mode gängig sind, vermeiden etc. pepe.

Dieser Auftrag, der von einem in Deutschland namhaften Mode-Unternehmen stammt, kann einem den Spaß am Texten gehörig vergällen. Es ist nur ein Beispiel, das zeigen soll, wie die Arbeit des Texters aussehen kann. Der Texter ist kein Autor, sondern jemand, der mit Worten arbeitet, sie in ein bestimmtes Muster packt, arrangiert und vieles weglassen muss. Die gestalterische Freiheit, die ein Autor hat, fällt beim Texter oft weg.

Blumig schreiben? Fehlanzeige!

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Nur sehr selten darf ein Texter auch mal blumige Ausdrucksweisen nutzen. Etwa dann, wenn es um Beschreibungen für Parfum geht. Naheliegend, oder? Dann kann auch der Texter sich mal so richtig literarisch austoben. Diese Aufträge sind aber sehr selten. Allgemein gilt: Adjektive nur sparsam einflechten, nicht so ausschweifend schreiben und eher eine nüchterne, klare Sprache verwenden. Das sind Dinge, die Texter schnell lernen müssen.

Wer vom literarischen Fach kommt, hat mit solchen Vorgaben erst einmal große Schwierigkeiten. Die schönen langen Schachtelsätze müssen gnadenlos zusammengestrichen werden. Alles wohlklingend Schnörkelige muss weg! Das schmerzt so manchen Jung-Autoren, der meint, dass Schreiben seine Berufung ist. (Und, mal Hand aufs Herz: Glauben nicht zurzeit etwa genauso viele Leute, sie wären verkappte Joanne K. Rowlings oder Dan Browns wie sich Superstars beim Herrn Bohlen bewerben?). Zum Beruf des Schreibers, Texters, Roman-Autors gehört mehr als die Fähigkeit einige Seiten volltippen zu können. Man muss sehr selbstkritisch mit seinem Geschreibsel umgehen können!

Schmeiß deine Sätze in den Müll!

Wirklich gute Autoren/Schreiber konnten schon immer ihre eigenen schriftlichen Ergüsse ohne Probleme ins Feuer schmeißen. Sie dürfen nicht zu sehr am eigenen Wort hängen. Wer seinen eigenen Satz zu sehr liebt, als dass er ihn nicht auch ganz anders formulieren könnte, der muss noch viel an sich arbeiten. Der Anfänger im Texter-Business und auch der Autor muss vor allem lernen, sich von seinen eigenen Sätzen und Formulierungen zu trennen. Schmeiß deinen mühsam ausformulierten Text weg und fange noch mal von neu an! Das würde ich jedem Anfänger raten, denn das bringt einen wirklich weiter, was den Umgang mit Worten angeht. Auf einmal merkt man, dass man durchaus in der Lage ist, den selben Inhalt ganz anders – und meist besser – zu formulieren. Dann lernt man auch, nicht so sehr an den eigenen Satzschöpfungen zu hängen.

Was den Texter vom Autoren trennt

..ist die Fähigkeit, sich beim Schreiben ganz eng an Vorgaben zu halten.

– Verschiedene Textsorten zu bedienen und sich von einer romantischen Vorstellung des literarischen Schaffens zu verabschieden.

Natürlich kann jeder, der das möchte versuchen, beide Bereiche zu bedienen. Aber man muss dazu erst einmal wissen, dass es zwei völlig verschiedene Bereiche des Schreibens sind.

 

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Ich serviere Texte nicht nur geschüttelt, sondern auch gerührt. Mit Fantasie und Kreativität entstehen bei mir spritzige Text-Cocktails.

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